Kommunale Dotationen, "Reichnisse", Baulast usw.
"Beim Geld kennt die Kirche keine Gnade"
Am 17. Oktober 2002
geschah in der ARD-Sendung Panorama erstmals ein Tabubruch. Das deutsche Fernsehen
berichtete wahrheitsgetreu über die Staatsfinanzierung der Kirchen in
Deutschland. In der
Sendung kam auch der CSU-Bürgermeister Günter Oettinger aus Großheubach
in Unterfranken zu Wort. Er zeigt in dem Filmbericht auf die eingerüstete Ortskirche und sagt:
"Hier geht’s um echt viel Geld. Hier geht’s um die Kirchenbaulast, Verträge aus dem Jahre 1803. Hier möchte die katholische Kirche von uns 180.000
Euro." Die Gemeinde will die uralten Verträge, aus denen nur die Kirche einen Nutzen zieht, nicht mehr anerkennen. Doch die Chancen stehen schlecht für die finanziell klamme Gemeinde: Einige Jahre zuvor hatten die rebellischen Bürger versucht, ein uraltes
"Kornreichnis" für die Ernährung des Pfarrers abzulösen, wonach der katholischen Kirchenstiftung jedes Jahr der Gegenwert von 18 Hektoliter Roggen zusteht – umgerechnet 130
€ im Jahr. Die Kirche forderte als Ablöse für die nächsten 100 Jahre einen
sofort fälligen Einmal-Betrag in Höhe von 32.000 €! Kommentar von
Panorama: "Beim Geld kennt die Kirche keine Gnade." Doch hinsichtlich
Dreistigkeit und Maßlosigkeit kirchlicher Forderungen finden sich immer neue
Beispiele, welche die vorherigen noch übertreffen.
Wie andere Städte und Gemeinde ist auch Karlstadt
im Kreis Main-Spessart Jahr für Jahr weiter "reichnispflichtig". Für die Stadt
hätte eine Ablösung im Jahr 1997 eine Summe von über einer halben Million DM
gekostet, welche an die Großkirchen hätten überwiesen werden müssen – mehr als
die Stadt dafür aufbringen konnte. So entschieden die Stadträte, lieber
weiterhin jährliche Reichniszahlungen an die Kirchen zu leisten, unter anderem
auch für eine ehemalige katholische Pfarrstelle, die es seit 1984 gar nicht mehr
gibt. Doch die Kirche besteht aufgrund von "Observanz" = "Gewohnheitsrecht"
sogar auf dieser Summe. Lediglich einen 1979 beschlossenen freiwilligen Zuschuss
an die beiden Großkirchen konnten die Stadträte 1997 per einfacher Abstimmungsmehrheit
wieder rückgängig machen. Doch nicht einmal solche Beschlüsse sind – allgemein
gesprochen – in deutschen Städten und Gemeinden selbstverständlich. Liest man z.
B. aktuell [2010] den Internet-Lebenslauf des amtierenden Vorsitzenden
einer großen Partei dieser Stadt, dann erfährt man, dass dieser gleich eine Fülle von kirchlichen
Ehrenämtern ausübt. Und wie ist es in zigtausend anderen deutschen Kommunen?
Allgemein gesprochen: Die Kirche plündert durch ihre Lobbyisten vom Bundestag
bis zum Gemeinderat Bund, Länder, Städte und Gemeinden nach Strich und Faden
aus, und der Bürger muss alles bezahlen.
Kurios ausgerechnet in Karlstadt: Einer der römisch-katholischen Ortspfarrer
wurde im Jahr 2010 verhaftet. Er wird angeklagt, 1,5 Millionen Euro veruntreut
zu haben. Als die Polizei das Pfarrhaus durchsuchte, fand sie in zahlreichen
"Verstecken" Briefumschläge voller Geldscheine.
"Reichnisse", Baulasten und andere
angebliche staatliche "Zahlungsverpflichtungen" an die Kirche gibt es zu Tausenden in Deutschland.
Im Haushalt des Freistaats Bayern waren im Jahr 1993 zwei Millionen DM an die
Kirche ausgewiesen, welche der Staat der Kirche bezahlen muss, nämlich den
Gegenwert von Unmengen von Roggen, Weizen, Dinkel, Karpfen oder Weißkraut
(Main-Post, 13.2.1993). Und auch im Jahr 2010 schulden die bayerischen
Regierungsbezirke der Kirche noch den Gegenwert von vielen Tonnen Karpfen aufgrund des Gesetzes von
1803, das noch niemals je eine deutsche Regierung seither anzutasten wagte. Es ist eben
"Tradition" und es kostet aufs Ganze gesehen dem einfachen Steuerzahler seit
über 200 Jahren Milliarden über Milliarden. Und gezahlt wird im 21. Jahrhundert
in Geld. Die Summen sind dabei bundesweit nur schwer zu schätzen.
Hinzu kommen unzählige zusätzliche "freiwillige Leistungen" der Kommunen für die
Kirche. Fast täglich liest man in allen Tageszeitungen (meist in Nebensätzen) von erheblichen Zuschüssen der Kommunen zu Kirchen-Renovierungen und dergleichen. In Würzburg etwa, einer Stadt am finanziellen Abgrund, nötigte
im Jahr 2006 das Bistum die Stadt, einen erheblichen Zuschuss zur Neu-Pflasterung eines Platzes in Dom-Nähe zu zahlen, obwohl dieser Platz vorher völlig in Ordnung war und nur auf Veranlassung der Kirche wegen der Neugestaltung
des anliegenden Kirchengebäudes aufgerissen worden war ...
Ein weiteres, wenn auch nur kleines Beispiel von unzähligen: In Mainz wurden aus öffentlichen Mitteln drei große Schilder angeschafft, die bereits auf den Autobahnen auf den Mainzer Dom hinweisen. Wenn ein Campingplatzbesitzer an einer einfachen Bundesstraße mit einem Schild auf seinen Campingplatz hinweisen will, damit die Urlauber ihn leichter finden, muss er jedes Jahr 2.000 Euro an das zuständige Amt bezahlen – für Anschaffung, Säuberung und evtl. Ersatz des Schildes. Die Kirche zahlt natürlich wie immer keinen Cent (Carsten Frerk, Finanzen und Vermögen der Kirchen, Aschaffenburg 2002, S.106), obwohl sich der Prachtbau der katholischen Kirche auch ohne Autobahnschilder leicht finden lässt.
Nach Rücksprache mit Experten
(siehe u. a. Quellen auf der Startseite) haben wir für den Posten der Zahlungen der
bundesweit 15.000 Kommunen 4.000.000.000 € pro Jahr eingesetzt (Bund für
Geistesfreiheit Augsburg, 25.1.2010).
Kurioserweise begründet der Sprecher der Nordelbischen Landeskirche eine
bestimmte Staatssubvention an seine Kirche in Höhe von jährlich 11.000.000 € vom
Bundesland
Schleswig-Holstein damit, dass in diesem Bundesland die Kirche für Bauarbeiten
an den eigenen Kirchengebäuden selbst aufkommen muss, während in allen anderen
Bundesländern dies der Staat finanziere (spiegel.de, 8.6.2010).
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Im Jahr 2009 griff Panorama das Thema erneut auf, denn noch immer hat sich
nichts getan. Siehe hier die beiden informativen Video-Beiträge zum Thema: |
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Mehr Geld für die Bürger | Die Bischöfe und ihr Hofstaat | Dotationen der Bundesländer | Kommunale Dotationen, "Reichnisse", Baulast usw. | Religionsunterricht | Ausbildung der Theologen | Militärseelsorge | Steuerbefreiung | Die "soziale" Lüge der Kirche | Die Kirchen sind steinreich! | Wie entstand eigentlich der Reichtum der Kirchen? | Subventionen an die Kirchen streichen – und den Bürgern ausbezahlen! | Was kann jeder einzelne tun? | ViSdP
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Letzte Änderung auf dieser Seite: 5.8.2010